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NEUGOTIK |
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Die Neugotik, im späten 18. Jahrhundert mit der
Idee des "Englischen" Landschaftsgartens als stimmungsbildendes, rückwärtsgewandtes
Element nach Deutschland gebracht, entwickelte sich im 19. Jahrhundert
neben dem Klassizismus zum programmatischen Universalstil für alle
Bauaufgaben. Als zukunftsträchtiger, "urteutscher" Stil wurde sie
zur Zeit der nationalen Identitätssuche nach den "Befreiungskriegen"
1813/15 zum prägenden Stil "patriotischer" Denkmäler, in der
profanen Kunst diente sie der bürgerlich-städtischen Selbstdarstellung.
Als "urchristlicher" Stil fand sie Verwendung in der sakralen Kunst bei
Kirchen, Grabmälern und religiösem Kunstgewerbe. Künstler
und Theoretiker wie Schinkel und Beuth waren fasziniert von dem aus der
organischen Natur abgeleiteten, konstruktiven System der Gotik - Strebepfeiler
und "Spitzbogen" - deren Elemente man im Zeitalter der Industrialisierung
mit modernen Materialien, wie etwa Gußeisen, herstellen und zu einer eigenständigen
Formensprache zusammenfügen konnte. Zudem ließen sich die Schmuckformen
der Gotik (Maßwerk, Krabbe und Blattwerk) zur Gestaltung unterschiedlichster
Objekte verwenden und als Teil der "deutschen Antike" mit den klassizistischen
Versatzstücken aus der Formensprache der "hellenischen Antike" kombinieren.
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| Die Berliner Eisengußhütte |
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Nach dem Vorbild der 1725 in Lauchhammer und 1794 im
oberschlesischen Gleiwitz eingerichteten Gießereien, wurde am 8.
Februar 1803 auf Anregung der Minister v. Heinitz und v. Reden mit königlicher
Genehmigung vor dem Neuen Tor die Kgl. Eisengießerei in Berlin angelegt.
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Nutzgeräte schufen Berliner Handwerker, aus Gleiwitz herbeigeholte Künstler sicherten von Beginn an das hohe Niveau der Kunstgußproduktion. Ab 1809 wurden Geschütze und Munition, aber auch Öfen und Denkmäler ausgeführt. 1813 gelang es, das bisher nur bei Bronze übliche Hohlgußverfahren für den Eisenguß anzuwenden. In der Zeit der Befreiungskriege 1813/15 entstanden nach Entwürfen von Künstlern wie K. F. Schinkel, F. Tieck und L. Wichmann kunstgewerbliche Eisengußwaren, wie Porträtmedaillen, Neujahrsplaketten, Orden und der weltweit als "fer de Berlin" berühmte Eisenschmuck. Nach 1815 fertigte man Maschinen, Eisenbahnzubehör und Nutzmöbel. Erfolg erzielte man auch mit Figuren, Großdenkmälern und Grabmälern. Durch private Gießereien (Egells, Borsig) in direkter Nachbarschaft im "Feuerland" an der Chausseestraße geriet die Kgl. Eisengießerei in den 1830er Jahren unter starken Konkurrenzdruck, im Revolutionsjahr 1848 wurden dazu durch Brandstiftung viele Werkstätten und Modelle vernichtet. Obwohl durch Modernisierung die Produktionsfähigkeit erhöht wurde, verlor der Betrieb nach 1871 an Bedeutung und wurde 1874 endgültig geschlossen. |
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