DIE BILDSPRACHE DER GRABDENKMÄLER

Die oft drastische Bildsprache der barocken Grabmäler wird in der Folge der Aufklärung im 18. Jahrhundert, befördert durch G. E. Lessings Schrift "Wie die Alten den Tod gebildet" (1769), abgemildert. An die Stelle des Totengerippes tritt der trauernde Genius, ausgestattet mit der das verlöschende Leben versinnbildlichenden Fackel. Antike Todessymbolik verdrängt im Klassizismus die christlichen Motive. Die Göttin der Nacht mit ihren Zwillingssöhnen Hypnos (Schlaf) Tanathos (Tod), ebenso der den persönlichen Ruhm des Verstorbenen - und gleichermaßen den Sieg über den Tod - versinnbildlichende Siegesgenius mit dem Lorbeerkranz oder dem Palmwedel werden neben antikisierenden Abschiedsszenen dargestellt. Sterne verwiesen auf das glänzende Nachtleben im Himmel, Mohnkapseln- und blüten auf den Todesschlaf, Rosen auf die Vergänglichkeit des Schönen, Efeu und Immortellen auf immerwährendes Leben, Schmetterlinge auf die unsterbliche Seele (Phsyche).

Nach 1813/15 ist die Ruhmesgöttin Viktoria zu finden (wie in nebenstehender Abbildung vom Grabdenkmal von Tippelskirch), bald darauf im Zeichen der neoreligiösen Restauration vermehrt wieder das Kreuz, die biblische Allegorie des Glaubens (Kreuz), der Liebe (Herz), der Hoffnung (Anker) und Thorwaldsens Christusfigur, die das Christuswort "Kommet alle her zu mir" illustriert. Stilzitate, wie die Neugotik, dienen auch zum Hinweis auf das christliche Bekenntnis, Fledermäuse weisen auf das Dunkel des Grabes vor der Auferstehung.
Entsprechend dem wachsenden Bedürfnis nach Sentiment zierten ab der Jahrhundertmitte auch Engelsfiguren, ab etwa 1870 Figuren voller neubarockem Pathos, wie trauernde Frauen, Pilger- und Chronosfiguren die Grabmale. Die Vielfalt der Todesikonographie erlischt mit der fast völligen Aufgabe des künstlerisch gestalteten Grabmals nach 1918.

Siegesgöttin Victoria am Grabmal Tippelskirch

Berlin und seine Friedhöfe
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