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DER GARNISONFRIEDHOF |
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Wie aus den archäologischen Grabungen um die Nicolai-Kirche
im Nicolai-Viertel an der Spree bekannt ist, befanden sich dort im Gründungskern
der Stadt Berlin die ersten Begräbnisplätze. Mit zunehmender
Größe eines Gemeinwesens wurden die Friedhöfe an den jeweiligen
Siedlungsrand verlegt. So geschah es auch in Berlin; die Begräbnisplätze
wanderten an den Stadtrand, beiderseits der Stadtmauern. Es lagerte sich
mit dem Wachsen einer Stadt ein Friedhofsring nach dem anderen um den
ursprünglichen Stadtkern. Der alte Offiziersfriedhof, der erhaltene
der beiden Begräbnisplätze der Berliner Garnison, lag im ersten
Ring.
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DIE ENTSTEHUNG DER GARNISONFRIEDHÖFE AN DER LINIENSTRAßE |
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Die "Alten Berliner Garnisonfriedhöfe" entstanden
zwischen 1701 und 1706 gleich zu Beginn der Anlage der Spandauer Vorstadt.
Sie wurden auf dem Gelände des Mittelmarktes bzw. der sogenannten
"Stadtfreiheit", also außerhalb der alten Stadtbefestigung, angelegt.
Von Anfang an wurde das Friedhofsgelände von der Laufgasse (Gormannstraße),
durchzogen. Auf dem östlichen Teil erfolgte die Beisetzung der Gemeinen
und auf dem westlichen Teil die der Offiziere und ihrer Angehörigen. |
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DIE FRIEDHÖFE IM 18. UND 19. JAHRHUNDERT
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Nachdem 1705 die Linienstraße angelegt worden war, wurde
fortan von den "neuen Friedhöfen in der Linienstraße" gesprochen.
"Neu"- als im Sinne nicht mehr auf dem Friedhof des Heiliggeist-Hospitals.
Aus den Auswertungen der Sterberegister und Kirchenbücher geht hervor,
daß der Offiziersfriedhof im 18. Jahrhundert ein Schattendasein geführt
haben muß. Die bedeutenden Beisetzungen fanden in den Grüften der
Kirche statt. Nur ärmere Familien ließen ihre verstorbenen Angehörigen
auf den Friedhöfen beerdigen. |
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Fouqué, Carl Andreas von Boguslawski, K. G. von
Loebell, E. L. von Tippelskirch, Leopold von Lützow, K. L. H. L.
von Borstell. |
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DER OFFIZIERSFRIEDHOF IM 20. JAHRHUNDERT
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Der Offiziersfriedhof diente weiterhin als Begräbnisplatz. Zuletzt natürlich nicht mehr in seiner ursprünglichen Bedeutung als Friedhof einer Berliner Garnison. Die evangelische Garnisongemeinde war nie eine reine Parochial-, sondern immer eine Personalgemeinde, der die in Berlin ansässigen Militärs oder ehemalige Militärangehörige angehörten. In diesem Sinne als Gemeindefriedhof ist der "Offizierskirchhof", wie er auch genannt wurde, bis zum Jahre 1945 genutzt worden, auch zur Umbettung der in den Weltkriegen Gefallenen. An der Ostseite war eine Kapelle im Ziegelbau aus dem Ende des 19. Jahrhunderts vorhanden. |
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Das noch bestehende Verwaltungsgebäude ist ein Putzbau
aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. |
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Ein Verzeichnis der auf diesem Gräberfeld beigesetzten
Toten aus dieser Zeit ist als Liste des Deutschen Roten Kreuzes vorhanden.
Andere Quellen sprechen von mehr als 1 000 beigesetzten Kriegsopfern,
die während der Kampfhandlungen um die Befreiung Berlins in den umliegenden
Straßen umgekommen waren und nach zum Teil nur provisorischen Beisetzungen
hier ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der Kreis der Geschichte schließt
sich; mit diesen Massengräbern endet ein Abschnitt deutscher Militärgeschichte,
der etwa zeitgleich mit der Gründung dieses Alten Berliner Garnisonfriedhofs
begonnen hatte. Das gemeinsame Schicksal dieser Opfer, ihre Gräber
lassen diesen Teil des Friedhofs besonders bedeutungsvoll erscheinen.
Heute finden sich auf den Grabstellen oder in den Beisetzungsregistern
Namen altpreußischer Geschlechter, deren Nachfahren dann im Widerstandskampf
gegen den Nationalsozialismus, für Freiheit und Recht ihr Leben eingesetzt
und verloren haben. Damit schließt sich auch hier wiederum der Kreis der
Geschichte. In diesem Zusammenhang sind auf dem Friedhof noch heute auffindbar
Namen wie Herwarth von Bittenfeld, von der Schulenburg, von Stülpnagel. |
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In Einzelfällen wurden während des II. Weltkrieges gefallene Offiziere und Soldaten, z.T. mit militärischen Ehren, beigesetzt oder einzelne gefallene Soldaten auch unmittelbar nach den Kämpfen Anfang Mai in Einzelgräbern bestattet, wie der 18-jährige Toni Feller. Toni Feller ist am 18. Februar 1927 in Weilburg/Lahn, Kreis Oberlahn geboren. Aufgewachsen ist er in Arfurt/Lahn, wo er bis 1942 seinen Wohnsitz hatte. Seine Eltern waren Simon und Katharina Feller. Ab 1942 lernte er an der Fliegertechnischen Vorschule in Oschersleben/Bode. Im Herbst 1944 erhielt Feller - 17jährig - seine Beorderung zum Deutschen Volkssturm. |
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Berlin und wurden einer neuen Kompanie zugeteilt. Den nächtlichen Bombenhagel überlebten von der Kompanie nur Toni Feller und Richard Noll, ebenfalls ein Mitschüler aus Oschersleben. Der nächste Einsatzort war das Regierungsviertel. Zwei Tage vor der Kapitulation Berlins verliert sich die Spur von Toni Feller. Nach vorhandenen Unterlagen ist er am 1. Mai am Dönhoffplatz gefallen. Sein Grab ist erhalten. |
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DER OFFIZIERSFRIEDHOF NACH 1945
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Der jeweilige Zustand und die Metamorphose des Friedhofareals
seit dem Ende des II. Weltkrieges ist vor den sich verändernden politischen
Verhältnissen im Ostteil Berlins und in der Relevanz der Entwicklung
der Spandauer Vorstadt zu sehen, die, obwohl im Stadtzentrum gelegen,
jahrzehntelang aus den bauplanerischen und denkmalpflegerischen Konzepten
gestrichen wurde. |
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Die dem internationalen Trend folgende parkartige Umgestaltung und Einebnung des Areals, der über 300 der noch vorhandenen 489 Grabdenkmäler zum Opfer fielen, charakterisierte der "Sonntag", das kulturpolitische Wochenblatt der DDR, als kulturgeschichtlich nicht reparable "Bulldozer"-Aktion der Obrigkeit. |
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Zu den massiven Abräumungen kam die vollständige
Beseitigung der bisher vorhandenen Wege und Feldeinteilungen. Rasenflächen
wurden angelegt. Erhalten und teilweise gepflegt sowie später restauriert
blieben vor allem einige Grabstätten, die der damaligen sich ändernden
Preußen-Geschichtsbeschreibung der DDR nutzbar gemacht werden konnten.
Wie Adolph von Lützow, Freiherr de la Motte Fouqué und von
Brauchitsch. Durch das Engagement von ehrenamtlichen Mitarbeitern des
Kulturbundes, die sich in einer Interessengemeinschaft zusammenfanden,
wurden neben denkmalpflegerischen Arbeiten "vor Ort" seit Anfang der 80er
Jahre auch dokumentarische und kulturhistorische Aktivitäten zum
Erhalt der Friedhofsanlage geleistet, die für erste Rekonstruktions-
und Konservierungsmaßnahmen dominant waren. Der Friedhof und einzelne
Grabstätten wurden unter Denkmalschutz gestellt. |
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